Streiflicht

Die deutsche Sprache

Folgende Situation: Der Facility Manager eines mehrstöckigen Wohnblocks, sagen wir in Stuttgart-Bad Cannstadt, klingelt an der Tür des benachbarten Gebäudes, in welchem der örtliche Funeral Master wohnt. Der Facility Manager hat ein sehr delikates Problem, am nächsten Tag erwartet er Gäste, hat aber festgestellt, dass die Ausrüstung seines Badezimmers nicht komplett ist. Endlich erscheint der Funeral Master an der Tür. "Ey, Maschter", fragt der Facility Manager, "kannscht mir mit einem toilet cleaning set aushelfen?" Kein Problem, sagt der Funeral Master und bittet den Facility Manager noch auf ein paar Minuten herein, seine Frau hat gerade einen wunderbaren Apple Pie in die Röhre geschoben, und da kann der Facility Manager jetzt schlecht nein sagen, schließlich gelten die Apple Pies der Frau des Bad Cannstadter Funeral Masters im ganzen Viertel als letzter Schrei.

Kaum sitzen sie, klingelt es schon wieder. Es stürmt herein Herr Walter Krämer. "Ah, der Herr Inschpektor", ruft der Funeral Master, aber Krämer zeigt seinen Ausweis, auf dem steht "Verein Deutsche Sprache", dessen Vorsitzender er ist. Krämer ist sehr aufgebracht. "Du bist kein Funeral Master, du bist Totengräber!", ruft er. "Und du" - sein Zeigefinger ist wie eine Waffe auf den Facility Manager gerichtet - "du bist Hausmeister, hörst du? Hausmeister!!" Krämer keucht. Er hat keine Mission, sondern einen Auftrag. Er will die deutsche Sprache erhalten, sie soll nicht zu Denglisch verkommen oder, schlimmer noch, hier im Schwäbischen zu Schwenglisch. "Der Horscht Köhler schwätzt auch Schwenglisch", antwortet der Funeral Master, aber Krämer sagt, die Politiker sind auch in diesem Punkt kein Vorbild. Sein Verein wird jetzt diesen Preis verleihen: Sprachpanscher des Jahres. Bildungsministerin Bulmahn ist nominiert. Sie hat für deutsche Spitzen-Unis geworben. "Stellen Sie sich vor, mit welchem Slogan", ruft Krämer. Manager und Master schauen stumm. "Brain-up!", ruft Krämer, so gellend, dass der Dackel des Funeral Masters furchtbar zu jaulen beginnt.

Da sitzen sie. Ein Hausmeister. Ein Totengräber. Ein Sprachschützer. Drei Männer, die sich nicht verstehen. So weit ist es gekommen in Deutschland. Aus der Küche wabert Kaffeeduft. Ins Schweigen hinein flüstert der Hausmeister zum Totengräber: "Wo isch jetz dei toilet cleaning set?" Da rauscht der Sprachschützer aus seinem Sessel hoch und ruft: "Klobürste! Sagt doch einfach Klobürste! Was zur Hölle ist so schlimm an einer Klobürste?" Dann fährt er seinen Zeigefinger aus, und ein gewaltiger Sog trägt ihn mit sich fort. Der Hund jault. "Brain up", flüstert der Facility Manager. "Cool down", murmelt der Funeral Master.

Quelle:

Süddeutsche Zeitung - Neueste Nachrichten aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport

Navigation im Spaßbereich

 

Zurück zum Spaßbereich