Streiflicht

Helmut Kohl

"Was ist der Buddha?" wollte ein Moench vom Zen-Meister Tung-shan wissen. Der zoegerte nicht eine Sekunde: "Drei Pfund Flachs', antwortete er - und überließ seine Schüler tiefer Verwirrung, die Jahrhunderte währte. Bis zum Mittwoch dieser Woche, um genau zu sein.

Da beantwortete Joschka Fischer in Bonn dieselbe Frage ein zweites Mal: "Drei Zentner fleischgewordene Vergangenheit', orakelte der ehrwürdige Grünenpatriarch. Und allen fiel es wie Schuppen von den Augen: Es ist Helmut Kohl. Der Prinz aus der pfälzischen Rheinebene ist der Erleuchtete. Buddha aber lächelte und hob die Rechte zur Geste der Segensgewährung, während ihm die Linke klebrig wurde von den Pralinen, die ihm Minister Rüttgers zugesteckt hatte. Plötzlich war alles klar: Warum sich Helmut Kohl schon seit geraumer Zeit strahlend wie die Lotosblüte über den Schlamm der irdischen Niederungen erhebt. Warum ihm kein Christo, kein Haushalt, keine Opposition, ja nicht mal eine Süssmuth mehr als ein entrücktes Lächeln entlockt. Still sitzend, nichts tuend, lehrt Zen, kommt der Frühling, und das Gras wächst von alleine. Leben ist Leiden, das ist die edle buddhistische Wahrheit. Aber Kohl? Blind muesste sein, wer in ihm nicht den Fels der Gelassenheit erkennt im Meer des Leids, das ihn umspült und in dem sie alle rudern und plantschen und um Hilfe rufen: die Zahnaerzte und die Arbeitslosen, die Rentner und die Sonntagsbäcker, und, zuoberst strampelnd, die traurigen Gestalten Scharping und Verheugen.

Doch, Kohl ist erleuchtet, da gibt es nichts zu deuteln. Mehr und mehr auch ähnelt er dem klassischen Buddha-Bildnis. Wenn er beide Hände entspannt im Schoss liegen hat in der dhyana-mudra, der Geste der Meditation. Wenn er sich das Ohrläppchen langzupft, weil ein solches bei Buddhas zuhause als Zeichen menschlichen Adels gilt. Wenn er seine verbliebenen Strähnen zu kleinen rechtsdrehenden Löckchen kräuselt. Wenn er die Hand wahlweise hebt, zur Geste der Schutzzusicherung ("Die Mark bleibt hart, bleibt hart, bleibt hart"), oder senkt, zum Zeichen der Wunschgewährung ("Hier habt ihr eure Quote'). Eine Kleinigkeit nur will noch nicht so recht wachsen - die als ushnisha bekannte Beule auf dem Kopf, die der Kunstführer gemeinhin als Zeichen geistiger Potenz ausweist. Die SPD-Basis darf sich freuen: Als Buddha wird Kohl sich aus dem Kreislauf der Wiedergeburten verabschieden und vollkommen im Nirvana erlöschen (was wahrscheinlich die einzige Möglichkeit war, ihn jemals, loszuwerden). Scharping aber, den wird sein Karma voll erwischen. Wie aus informierten Kreisen verlautet, ist ihm schon ein Plätzchen im nächsten Leben reserviert: Zur Strafe dafür, dass er dem Land nimmer endende Kohl- Herrschaft bescherte, soll er als Zuchtpanda im Berliner Zoo wiedergeboren werden. Auf ewig zur Erfolglosigkeit verdammt.

Quelle:

Süddeutsche Zeitung - Neueste Nachrichten aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport

Navigation im Spaßbereich

 

Zurück zum Spaßbereich